16. Dezember 2011

Seit einigen Wochen bekommen wir schon wieder Anfragen für Proberitte und Kurse für 2012. Eigentlich sollte die Terminplanung für 2012 auch schon fertig sein. Die Planungen und Konzeption der Anlage für 2012 hat jedoch eine Menge Zeit verschlungen. Immer wieder tauchten Aspekte auf, die wir berücksichtigten wollten. Nach einem Planungsgespräch mit der Beauftragten des Landwirtschaftsamtes für Pferdezucht und -haltung am 24. November steht jetzt unser Konzept: Wir beabsichtigen eine Halle mit Besuchertribüne, 5 Pensionsboxen mit Aussenpaddock, eine angelagerte Sattelkammer sowie eine 3. Abfohlbox für unsere Stuten zu bauen. Da immer mehr Nachfrage nach unseren Verkaufspferden aus der näheren Umgebung erfolgt, wollen wir potentiellen Käufern einen exclusiven Einstellplatz auf unserer Anlage anbieten. Neben einer großzügigen Anlage gibt´s dann auch die kompetente Betreuung.
Details dazu folgen dann nächstes Jahr.

Da die Anlage künftig wirtschaftlich betrieben werden muss, werden wir - wie angekündigt - unsere allgemeinen Informationsveranstaltungen (Schnuppertage) neu strukturieren, um noch besser und differenzierter auf die Bedürfnisse der Kaufinteressenten und Kursteilnehmer eingehen zu können. Das neue Konzept bietet mehr Raum für sachorienierte Informationen und ist wesentlich effizienter, da mehr Teilnehmer bei weniger Terminen berücksichtigt werden können.

1. Informationstage
Ziel der Informationstage ist es, die Interessenten umfassend über die Rasse der Tennessee Walking Horses, den verschiedenen Zuchtzielen (Show/Freizeit) sowie über die Situation in der TWH-Szene in USA/Europa/Deutschland aufzuklären. Ein besonderes Augenmerk wird auf die Vermittlung von Kenntnissen über die Rasse, die Gangmechanik sowie der Ausbildung und Fähigkeiten der TWH gelegt, um den Interessenten die Kenntnisse zu vermitteln, die zur Beurteilung eines Pferdes beim Pferdekauf notwendig sind. Die Schulung erfolgt an Hand von Bild- Und Videomaterial sowie im Anschluss in der Praxis bei einer Rassevorführung und einem kurzen Schnupperritt. Uns liegt sehr am Herzen, dass gerade Einsteiger oder Interessenten ohne Rasse-Erfahrung die notwendigen Kenntnisse erwerben, um bei einem späteren Pferdekauf sowohl sich als auch dem Pferd gerecht zu werden. Dieses neue Konzept erlaubt bis zu 10 Teilnehmer pro Informationstag und verschafft uns durch die höhere Effizienz mehr Zeit für die Aus- und Fortbildung unserer Pferde sowie für die Reitkurse.

2. Western-Reitkurse auf Tennessee Walking Horses
Nahezu jeder Schnuppertag endete 2011 in einem Reitkurs mit „Einzelstunden”. Wer unsere Pferde kennt, weiss, dass sie bestens ausgebildet sind und sehr fein an den Hilfen stehen. Das war oft das Problem! Schiefer Sitz, widersprüchliche Zügel- und Schenkelhilfen, Radfahrer-Syndrom (kennen Sie nicht?) oder Gewichtshilfen mit übergebeugtem Oberkörper, fester Rücken oder „Mitschieben” mit dem Becken sind noch die häufigsten Probleme. Die Pferde gehen dann oft über die Schulter, streifen an der Bande oder biegen sich nicht. Angaloppieren war vielfach ein Problem, weil die Hilfen fehlten oder widersprüchlich waren. Es hat teilweise viel Mühe gemacht, die Teilnehmer so locker und balanciert zu bekommen, um den Gang wirklich erleben zu können. Oft mussten wir unsere Pferde danach korrekturreiten.
Der Aufwand dafür rechtfertigte in keiner Weise den geringen Unkostenbeitrag von 50 EUR pro Person für den ehemaligen „Schnuppertag”. Wir wollen jedoch Interessenten mit ernsthaftem Kaufinteresse (nicht notwendigerweise bei uns...) die Möglichkeit geben, den angenehmen Gang, das außergewöhnlich menschenbezogene Wesen der Pferde sowie das große - auch sportliche - Potential mit gut ausgebildeten Pferden zu erfahren, um eine echte Entscheidungshilfe zu finden. Dazu müssen wir explizit auf das reiterliche Können sowie die persönlichen Vorstellungen jedes einzelnen Teilnehmers eingehen. Der Aufwand und der Bedarf an Pferden, Personal und Material ist deutlich höher als bei einem Informationstag. Insofern werden sich die Kosten für unsere Western-Reitkurse an den üblichen Sätzen für Tageskurse orientieren. Eine Investition die sich in jedem Fall lohnt, wenn man sicher gehen möchte, dass man „aufs richtige Pferd setzt”.

3. Einzel- und Gruppentraining für Gangpferde
Unsere neue Halle macht uns künftig unabhängig von der Witterung und den oft langen Wintern im Bayerischen Wald. Daher können wir auch über den Winter hinweg speziell Besitzern von Gangpferden im Einzel- oder Gruppentraining Hilfe bei Problemen anbieten. Oft ist die Analyse von Gang- oder Kommunikationsproblemen bereits der erste Schritt zu einem erfolgversprechenden Lösungsansatz. 17 Jahre Erfahrung mit Isländern und Tennessee Walkern, konstante Turniererfolge sowie eine Schulung als Turnierrichter haben über die Jahre für einen reichhaltigen Erfahrungsschatz gesorgt. Bei der Analyse von Problemen helfen uns bewährte Fachleute wie z.B. Drs. Jasmin Bollwein, Johanna Raczynski; Fachtierärztin für Pferde und Chiropraktikerin Dr. Barbara Dietze; Staatl. gepr. Hufschmied und Spezialist für Fehlstellungen und orthopädischen Beschlag, Helmut Plattner; Sattler Christoph Kandler; Westerntrainerin Jennifer Israel und notfalls die Fachklinik für Pferde in Thierlstein/Cham mit dem Team um Dr. Stefan von Bieberstein. So können oft lange bestehende, hartnäckige Probleme im Zusammenwirken mit diesen Fachleuten erkannt und ggf. beseitigt oder verbessert werden. Meistens jedoch genügt unser erfahrener Blick auf das Zusammenwirken von Reiter und Pferd, um die Ursache von Problemen zu lokalisieren und im nachfolgenden Training Verbesserung zu erzielen.

4. Grundkurs Westernreiten (für Freizeitreiter)
Kommunikation zwischen dem Reiter und dem eigenen Pferd. Bodenarbeit (Dominanz und Vertrauen), Hilfen (Schenkel, Gewicht, Zügel, Stimme), Lenkung, Gas, Bremse. Das sind die Kerninhalte dieses Grundkurses. Wichtig ist, dass die Hilfen und Kommandos eindeutig und konsequent gegeben werden, damit es nicht zu Missverständnissen kommt. Zusätzlich wird auf den Sitz des Reiters besonderer Wert gelegt, körperliche Defizite werden erkannt und korrigiert. Alle Rassen und sattelfeste Reiter sind willkommen.
Die Kurse dauern 3 Tage (Freitag bis Sonntag). Termine werden rechtzeitig bekannt gegeben.

5. Allgemeine Kurse zum Thema Zucht, Haltung, Ausbildung
Die vergangenen Kurse haben gezeigt, dass bei den Pferdehaltern und -züchtern ein großes Interesse an sachlich fundierten Fachkursen besteht. Neben eigenen langjährigen Erfahrungen und Kenntnissen stehen uns viele kompetente Fachleute als Referenten für die unterschiedlichsten Themen zur Verfügung. Das Kursangebot für 2012 wird Ende Januar 2012 veröffentlicht.

2009 war kein Reitjahr!

Das Jahr 2009 startete mit vier Hengsten, einer halbwüchsigen Stute (Rosie), zwei hoch tragenden Mutterstuten und drei Wallachen. Eigentlich hatten wir uns gewünscht, wieder mehr aufs Pferd zu kommen - einfach raus in die Natur, wie wir es schon seit mehr als 15 Jahren taten. Aber daraus wurde nichts. Mit den ersten Sonnenstrahlen regten sich bei den beiden Junghengsten die ersten Hormone und Jai kam in Stormy´s Herde. Er sollte ihm das notwendige Maß an Erziehung verpassen, wie es in der Natur üblich ist. Das gelang auch prächtig, wobei es eigentlich unser 25 Jahre alter Isländer Wallach war, der Jai Manieren beibrachte und ihm in der Gruppe Halt gab. Die Rechnung ging voll auf: Jai ordnete sich wieder unter und verlor das Rüpelhafte, welches den aufwallenden Trieben entsprang.
Ostersonntag: Um fünf Uhr morgens hörte ich ein Scharren aus dem Stall und stand sofort senkrecht im Bett. Bei Scharren ist immer der erste Verdacht: KOLIK! Rein in die Jeans und über den Hof. Im Stall stand unser alter Araber-Lippizaner Wallach, scharrte und schwitzte. Ich schrie nur kurz über den Hof: Tierarzt! Gottseidank wohnt unsere Tierärztin Jasmin Bollwein ganz in der Nähe und war in Rekordzeit nach 5 Minuten auf dem Hof. Die erste Untersuchung ließ nichts Gutes ahnen. Auf einer Seite keinerlei Darmgeräusche mehr. Sofort Nasen-Schlund-Sonde gesetzt und Paraffinöl eingegeben. Das kam mit einem großen Rülpser augenblicklich wieder raus. Verschluss! Schmerzmittel und Relaxanz injiziert, doch es wurde nicht besser und der Allgemeinzustand des 25-jährigen Schimmels wurde immer schlechter, so dass er den Transport zur Klinik und die Kolik-OP mit Sicherheit nicht überlebt hätte. Am Nachmittag haben wir ihn dann einschläfern müssen.
Langsam kam auch Bucky dahinter, wozu das Ding, welches ihm manchmal heraushing, gut war und wir mussten ihn schleunigst von Rosie trennen. Erfreulicher Weise fand Bucky sehr schnell einen Käufer in unserer Nähe, dem wir ihn wegen der Pferdeerfahrung und der Haltungsbedingungen anvertrauen konnten (da sind wir halt etwas eigen...). Damit war schnell etwas Testosteron vom Hof und die Zeit lief dem Abfohlen unserer beiden Stuten entgegen. Für uns waren dies die ersten beiden eigenen Fohlen, insofern waren wir natürlich etwas aufgeregt. Moderne Technik (Funk-Video-Überwachung) sowie die Tatsache, mit den Pferden quasi Tür an Tür zu wohnen, ließ die Geburten problemlos verlaufen.
Die Betreuung der Fohlen in den ersten Wochen verschlang deutlich mehr Zeit als wir vermuteten (hätte vielleicht auch weniger sein können, aber wir haben halt viel Zeit investiert). Wieder war nichts mit Reiten.

Nachdem im Frühjahr noch das "Wirtschaftswunder" zugeschlagen hatte und unsere großen Kunden sowohl ihre Messeauftritte abgesagt hatten als auch das Budget für graphische Produkte sperrten, war wieder keine Zeit, denn wir mussten als Ersatz neue Kunden akquirieren. Das gelang Dank viel Zeiteinsatz auch ohne Probleme, jedoch waren inzwischen die Budgets der alten Kunden wieder freigegeben, so dass wir fast doppelt so viel zu tun hatten als zuvor. Wieder nichts mit Reiten!
So zwischendurch haben wir noch schnell ein 50 Quadratmeter Vordach für die Mutterstuten und Fohlen gebaut. Annie musste immer ihren Papa im Auge behalten und hat dann meistens auf dem Paddock geschlafen.

Im Frühsommer kam dann die landwirtschaftliche Arbeit: Heu machen, Pferde auf die Sommerweiden, Urlaubszeit und so weiter. Im Frühherbst wurde Jai kastriert. Er war inzwischen zweieinhalb Jahre alt und wir wollten ihn nicht als Deckhengst, sondern als Reitpferd behalten (wegen seines genialen Walks). Bis zu diesem Zeitpunkt lebte er mit Stormy und den Wallachen im Herdenverband, wohin er nach der Kastration auch wieder zurückkam.
Oktober: Es tropft vom Dach! Die Bitumenlagen zweier Vordächer sind undicht und nerven. Ich bin ja auch nicht mehr so jung, dass es mir Spaß macht alle zwei Jahre raufzukraxeln und zu flicken. Also ist eine finale Lösung angesagt, welche gleich präventiv auch das neue Dach behinaltet. So haben wir also noch schnell 160 Quadratmeter Blechdach montiert, bevor der Schnee einsetzte. Damit war auch der an sich schöne Herbst rum, ohne dass ich ein Pferd von oben sah (außer vom Dach...)
Für die Jungpferdeausbildung mussten wir einen Roundpen bauen. Der Reitplatz war für eine Ausbildung nach Pat Parelli viel zu groß. Die Pferde hatten nach aussen keinen Halt. Unser Panel-System erschien mir ohne Bande zu gefährlich, vor allem wenn die Jungpferde oder Fohlen durch die Stäbe treten und hängen bleiben. Wir haben also die Seitenwände umlaufend mit einer 1 Meter hohen, schlagfesten Bande aus 28 mm Holzbohlen verkleidet, was sich später als zweckmäßig herausstellte. Wieder einige Tage Arbeit und den nicht ganz billigen Spezialsand (mit Spänen) von Pleinfelder Quarzsand. Als das vorbei war, stand das Regelwerk der European Tennessee Walking Horse Association an. Als Mitglied der 7-köpfigen Regelkommission war ich jede Woche zwei bis drei Mal oft bis Mitternacht in der Skype-Konferenz um das Regelwerk bis zur Mitgliederversammlung im Januar fertig zu haben. Dabei machten auch vor Weihnachtsfeiertagen keinen Halt!

Kurzum: 2009 war ein Zucht- und Arbeitsjahr, kein Jahr zum Reiten.

Vorschau auf das Jahr 2012

Lucky Walker Stables
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