6. Dezember 2011
Heute fiel der erste Schnee und in gut zwei Wochen ist Weihnachten - da ist es Zeit, das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen.
Kaum zu glauben, was in einem (viel zu kurz empfundenen) Jahr so alles los war und wie man es neben der Arbeit im Geschäft und am Hof geschafft hat. Das Frühjahr war sehr schön und trocken und so konnten wir mit dem Bau unseres neuen Offenstalls und der Bergehalle frühzeitig beginnen. Ehrlich gesagt hatten wir uns das Projekt etwas kleiner vorgestellt und auch mit weniger Arbeit gerechnet. Letztlich entstand ein stattliches Gebäude mit Platz für 60 Rundballen, einem Geräteraum für unsere Kutschen und Kleinmaschinen sowie ein Offenstall mit bis zu 8 Pferden und 2 großen Paddocks nebst kleiner Weidefläche. Im Bereich der gepflasterten Zufahrt finden 5 Hänger nebst Zufahrzeugen Platz.

Gleich nach Abschluss der Baumaßnahmen wurden Vorbereitungen für die Geburt unserer Fohlen 2011 getroffen. Die Kameraüberwachung wurde auf leistungsfähigere IP-Nachtsichtkameras umgestellt, die sowohl vom Smartphone als auch von jedem Computer angesteuert werden konnten. So haben wir die Geburten unserer Fohlen auch auf die Minute abgepasst. Alles lief gut und wir haben zwei gesunde, kräftige Stütchen.

Genau in diesen Zeitraum haben wir unseren Tageskurs „Pferdezucht und Deckmanagement” geplant, an dem über 20 Teilnehmer kamen. Die konnten neben allem theoretischen Wissen - vermittelt durch unsere Tierärztin, Dr. Jasmin Bollwein - auch die Fohlenaufzucht sowie das Deckmanagement in der Praxis erleben. Iliano hatte eine Fremdstute zum Decken und wir konnten den Teilnehmern auch einen Natursprung bieten.

Unseren Jungpferdekurs mit Jennifer Israel hielten wir im Frühsommer mit 8 Teilnehmern. Hier hat sich der neue Offenstall schon bewährt, denn wir haben kurzer Hand unsere Männergruppe ausgelagert, um für die teilnehmenden Pferde ausreichend Gastboxen zur Verfügung stellen zu können.

Im Mai kam die Urkunde für den GOLD AWARD des Programs for Excellence des kanadischen Zuchtverbandes. Ich hatte 2010 mit Stormy die Leistungsprüfung abgelegt. Damit ist Skyline´s Dark Storm im Augenblick der einzige Deckhengst in Europa, der die Qualitätsanforderungen des kanadischen Zuchtverbandes CRTWH erfüllt. Andere Leistungsprüfungen werden derzeit von keinem anderen Verband angeboten.

Die Heuernte war dieses Jahr mehr als dürftig! Der Ertrag war nur etwas mehr als die Hälfte des Normalen. Gott sei Dank haben wir gute Lieferanten und sind auch regional so gut integriert, dass wir die benötigte Menge Heu ohne Probleme und ohne goßartige Mehrkosten bekommen haben. Unsere Heulager sind im Augenblick rappelvoll. Das sollte bis August 2012 ausreichen.

Im Juni war - wie alle Jahre - die Zahnspezialistin der Pferdeklinik Thierlstein, Dr. Ursula Kropaczek, auf dem Hof und hat allen Pferden die Zähne gemacht. Das ist immer ein Tageswerk, welches Dank der neuen Wasch- und Behandlungsbox und der Gastbox nebenan reibungslos verläuft. Die Pferde werden grundsätzlich sediert. Nach der Behandlung kommen die Patienten in die Gastbox, wo sie unter Kontrolle aufwachen können, während der nächste Patient schon behandelt wird.

Am 13. Juli mussten wir dann unseren alten Island-Wallach erlösen. Viele Jahre haben wir ihm trotz seiner COPD ein schönes Leben ermöglicht, zum Dank dafür, dass er für jeden von uns ein zuverlässiger und liebenswerter Partner war, der uns überhaupt erst zu den Gangpferden, insbesonde den Tennessee Walker gebracht hat. Der Verlust war wirklich schmerzhaft.

Im August hatten wir unseren Betriebsurlaub, um einfach mal auszuschalten. Am 5. und 6. August haben wir dann mit einem Züchterkollegen die Schweizer Tennessee Walker Freunde in Vilters besucht und auch bei einem Western-Reitturnier begleitet. Die Leistung, die Andrea Schneider-Reber mit ihrem Tennessee Walker Wallach im Trail abgeliefert hat (1. Platz) zeigte uns wieder, dass sich die Tennessee Walker in keiner Weise vor den normalen Westernpferden verstecken müssen. Oft fehlt es nur am Willen oder dem Mut zu mehr Professionalität.

Unser Erste-Hilfe Kurs im September war mit weit über 20 Teilnehmern wieder mal (über)voll ausgebucht. Tierärztin Johanna Razcynski hielt einen super Vortrag über Verletzungen, Krankheiten und Vergiftungen beim Pferd. Für die Praxis mussten als Probanden Annie, Rosie und Iliano herhalten.

Über das Jahr hinweg hatten wir 12 Schnuppertage mit über 50 Teilnehmern und eine ganze Reihe von Interessenten für die Rasse am Hof. Von April bis Oktober hatten wir praktisch kein Wochenende an dem nichts los war! Aus diesem Grund müssen wir ab 2012 unsere Terminplanung etwas anders strukturieren. Wie genau, wissen wir noch nicht???!

Der „Youngster Trail” - ein Tagesritt mit Jungpferden - war am 2. Oktober die letzte aktive Veranstaltung dieses Jahres. Bei schönstem Herbstwetter unternahmen wir einen gemütlichen Ausritt in die Vorberge. Bei einem kleinen Dorfgasthaus in einem verträumten Dorf abseits von Straßen konnten sich die Reiter und Pferde erholen und für den Heimritt stärken. Die Pferde verhielten sich großartig, auch die, die zum ersten Mal an einem solchen Ritt teilnahmen. Nächstes Jahr wollen wir mehr daraus machen.

Am 29. Oktober brachten wir Annie zu ihrer neuen Besitzerin nach Oberfranken. Der Trennungsschmerz wurde durch die Tatsache, dass wir für sie einen Super Platz gefunden haben, deutlich gelindert.

Im November haben wir noch einige Restarbeiten durchgeführt und im vorderen Stallbereich einen Paddock für Silvias Reitpony gebaut.
Am 10. Dezember findet dann noch die Weihnachtsfeier mit unseren Reiterfreunden aus der Umgebung statt, dann kommt schließlich das Christkind...




 

2009 war kein Reitjahr!

Das Jahr 2009 startete mit vier Hengsten, einer halbwüchsigen Stute (Rosie), zwei hoch tragenden Mutterstuten und drei Wallachen. Eigentlich hatten wir uns gewünscht, wieder mehr aufs Pferd zu kommen - einfach raus in die Natur, wie wir es schon seit mehr als 15 Jahren taten. Aber daraus wurde nichts. Mit den ersten Sonnenstrahlen regten sich bei den beiden Junghengsten die ersten Hormone und Jai kam in Stormy´s Herde. Er sollte ihm das notwendige Maß an Erziehung verpassen, wie es in der Natur üblich ist. Das gelang auch prächtig, wobei es eigentlich unser 25 Jahre alter Isländer Wallach war, der Jai Manieren beibrachte und ihm in der Gruppe Halt gab. Die Rechnung ging voll auf: Jai ordnete sich wieder unter und verlor das Rüpelhafte, welches den aufwallenden Trieben entsprang.
Ostersonntag: Um fünf Uhr morgens hörte ich ein Scharren aus dem Stall und stand sofort senkrecht im Bett. Bei Scharren ist immer der erste Verdacht: KOLIK! Rein in die Jeans und über den Hof. Im Stall stand unser alter Araber-Lippizaner Wallach, scharrte und schwitzte. Ich schrie nur kurz über den Hof: Tierarzt! Gottseidank wohnt unsere Tierärztin Jasmin Bollwein ganz in der Nähe und war in Rekordzeit nach 5 Minuten auf dem Hof. Die erste Untersuchung ließ nichts Gutes ahnen. Auf einer Seite keinerlei Darmgeräusche mehr. Sofort Nasen-Schlund-Sonde gesetzt und Paraffinöl eingegeben. Das kam mit einem großen Rülpser augenblicklich wieder raus. Verschluss! Schmerzmittel und Relaxanz injiziert, doch es wurde nicht besser und der Allgemeinzustand des 25-jährigen Schimmels wurde immer schlechter, so dass er den Transport zur Klinik und die Kolik-OP mit Sicherheit nicht überlebt hätte. Am Nachmittag haben wir ihn dann einschläfern müssen.
Langsam kam auch Bucky dahinter, wozu das Ding, welches ihm manchmal heraushing, gut war und wir mussten ihn schleunigst von Rosie trennen. Erfreulicher Weise fand Bucky sehr schnell einen Käufer in unserer Nähe, dem wir ihn wegen der Pferdeerfahrung und der Haltungsbedingungen anvertrauen konnten (da sind wir halt etwas eigen...). Damit war schnell etwas Testosteron vom Hof und die Zeit lief dem Abfohlen unserer beiden Stuten entgegen. Für uns waren dies die ersten beiden eigenen Fohlen, insofern waren wir natürlich etwas aufgeregt. Moderne Technik (Funk-Video-Überwachung) sowie die Tatsache, mit den Pferden quasi Tür an Tür zu wohnen, ließ die Geburten problemlos verlaufen.
Die Betreuung der Fohlen in den ersten Wochen verschlang deutlich mehr Zeit als wir vermuteten (hätte vielleicht auch weniger sein können, aber wir haben halt viel Zeit investiert). Wieder war nichts mit Reiten.

Nachdem im Frühjahr noch das "Wirtschaftswunder" zugeschlagen hatte und unsere großen Kunden sowohl ihre Messeauftritte abgesagt hatten als auch das Budget für graphische Produkte sperrten, war wieder keine Zeit, denn wir mussten als Ersatz neue Kunden akquirieren. Das gelang Dank viel Zeiteinsatz auch ohne Probleme, jedoch waren inzwischen die Budgets der alten Kunden wieder freigegeben, so dass wir fast doppelt so viel zu tun hatten als zuvor. Wieder nichts mit Reiten!
So zwischendurch haben wir noch schnell ein 50 Quadratmeter Vordach für die Mutterstuten und Fohlen gebaut. Annie musste immer ihren Papa im Auge behalten und hat dann meistens auf dem Paddock geschlafen.

Im Frühsommer kam dann die landwirtschaftliche Arbeit: Heu machen, Pferde auf die Sommerweiden, Urlaubszeit und so weiter. Im Frühherbst wurde Jai kastriert. Er war inzwischen zweieinhalb Jahre alt und wir wollten ihn nicht als Deckhengst, sondern als Reitpferd behalten (wegen seines genialen Walks). Bis zu diesem Zeitpunkt lebte er mit Stormy und den Wallachen im Herdenverband, wohin er nach der Kastration auch wieder zurückkam.
Oktober: Es tropft vom Dach! Die Bitumenlagen zweier Vordächer sind undicht und nerven. Ich bin ja auch nicht mehr so jung, dass es mir Spaß macht alle zwei Jahre raufzukraxeln und zu flicken. Also ist eine finale Lösung angesagt, welche gleich präventiv auch das neue Dach behinaltet. So haben wir also noch schnell 160 Quadratmeter Blechdach montiert, bevor der Schnee einsetzte. Damit war auch der an sich schöne Herbst rum, ohne dass ich ein Pferd von oben sah (außer vom Dach...)
Für die Jungpferdeausbildung mussten wir einen Roundpen bauen. Der Reitplatz war für eine Ausbildung nach Pat Parelli viel zu groß. Die Pferde hatten nach aussen keinen Halt. Unser Panel-System erschien mir ohne Bande zu gefährlich, vor allem wenn die Jungpferde oder Fohlen durch die Stäbe treten und hängen bleiben. Wir haben also die Seitenwände umlaufend mit einer 1 Meter hohen, schlagfesten Bande aus 28 mm Holzbohlen verkleidet, was sich später als zweckmäßig herausstellte. Wieder einige Tage Arbeit und den nicht ganz billigen Spezialsand (mit Spänen) von Pleinfelder Quarzsand. Als das vorbei war, stand das Regelwerk der European Tennessee Walking Horse Association an. Als Mitglied der 7-köpfigen Regelkommission war ich jede Woche zwei bis drei Mal oft bis Mitternacht in der Skype-Konferenz um das Regelwerk bis zur Mitgliederversammlung im Januar fertig zu haben. Dabei machten auch vor Weihnachtsfeiertagen keinen Halt!

Kurzum: 2009 war ein Zucht- und Arbeitsjahr, kein Jahr zum Reiten.

Rückblick auf das Jahr 2011

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