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2009 war kein Reitjahr!
Das Jahr 2009 startete mit vier Hengsten, einer halbwüchsigen Stute (Rosie), zwei hoch tragenden Mutterstuten und drei Wallachen. Eigentlich hatten wir uns gewünscht, wieder mehr aufs Pferd zu kommen - einfach raus in die Natur, wie wir es schon seit mehr als 15 Jahren taten. Aber daraus wurde nichts. Mit den ersten Sonnenstrahlen regten sich bei den beiden Junghengsten die ersten Hormone und Jai kam in Stormy´s Herde. Er sollte ihm das notwendige Maß an Erziehung verpassen, wie es in der Natur üblich ist. Das gelang auch prächtig, wobei es eigentlich unser 25 Jahre alter Isländer Wallach war, der Jai Manieren beibrachte und ihm in der Gruppe Halt gab. Die Rechnung ging voll auf: Jai ordnete sich wieder unter und verlor das Rüpelhafte, welches den aufwallenden Trieben entsprang.
Ostersonntag: Um fünf Uhr morgens hörte ich ein Scharren aus dem Stall und stand sofort senkrecht im Bett. Bei Scharren ist immer der erste Verdacht: KOLIK! Rein in die Jeans und über den Hof. Im Stall stand unser alter Araber-Lippizaner Wallach, scharrte und schwitzte. Ich schrie nur kurz über den Hof: Tierarzt! Gottseidank wohnt unsere Tierärztin Jasmin Bollwein ganz in der Nähe und war in Rekordzeit nach 5 Minuten auf dem Hof. Die erste Untersuchung ließ nichts Gutes ahnen. Auf einer Seite keinerlei Darmgeräusche mehr. Sofort Nasen-Schlund-Sonde gesetzt und Paraffinöl eingegeben. Das kam mit einem großen Rülpser augenblicklich wieder raus. Verschluss! Schmerzmittel und Relaxanz injiziert, doch es wurde nicht besser und der Allgemeinzustand des 25-jährigen Schimmels wurde immer schlechter, so dass er den Transport zur Klinik und die Kolik-OP mit Sicherheit nicht überlebt hätte. Am Nachmittag haben wir ihn dann einschläfern müssen.
Langsam kam auch Bucky dahinter, wozu das Ding, welches ihm manchmal heraushing, gut war und wir mussten ihn schleunigst von Rosie trennen. Erfreulicher Weise fand Bucky sehr schnell einen Käufer in unserer Nähe, dem wir ihn wegen der Pferdeerfahrung und der Haltungsbedingungen anvertrauen konnten (da sind wir halt etwas eigen...). Damit war schnell etwas Testosteron vom Hof und die Zeit lief dem Abfohlen unserer beiden Stuten entgegen. Für uns waren dies die ersten beiden eigenen Fohlen, insofern waren wir natürlich etwas aufgeregt. Moderne Technik (Funk-Video-Überwachung) sowie die Tatsache, mit den Pferden quasi Tür an Tür zu wohnen, ließ die Geburten problemlos verlaufen.
Die Betreuung der Fohlen in den ersten Wochen verschlang deutlich mehr Zeit als wir vermuteten (hätte vielleicht auch weniger sein können, aber wir haben halt viel Zeit investiert). Wieder war nichts mit Reiten.
Nachdem im Frühjahr noch das "Wirtschaftswunder" zugeschlagen hatte und unsere großen Kunden sowohl ihre Messeauftritte abgesagt hatten als auch das Budget für graphische Produkte sperrten, war wieder keine Zeit, denn wir mussten als Ersatz neue Kunden akquirieren. Das gelang Dank viel Zeiteinsatz auch ohne Probleme, jedoch waren inzwischen die Budgets der alten Kunden wieder freigegeben, so dass wir fast doppelt so viel zu tun hatten als zuvor. Wieder nichts mit Reiten!
So zwischendurch haben wir noch schnell ein 50 Quadratmeter Vordach für die Mutterstuten und Fohlen gebaut. Annie musste immer ihren Papa im Auge behalten und hat dann meistens auf dem Paddock geschlafen.
Im Frühsommer kam dann die landwirtschaftliche Arbeit: Heu machen, Pferde auf die Sommerweiden, Urlaubszeit und so weiter. Im Frühherbst wurde Jai kastriert. Er war inzwischen zweieinhalb Jahre alt und wir wollten ihn nicht als Deckhengst, sondern als Reitpferd behalten (wegen seines genialen Walks). Bis zu diesem Zeitpunkt lebte er mit Stormy und den Wallachen im Herdenverband, wohin er nach der Kastration auch wieder zurückkam.
Oktober: Es tropft vom Dach! Die Bitumenlagen zweier Vordächer sind undicht und nerven. Ich bin ja auch nicht mehr so jung, dass es mir Spaß macht alle zwei Jahre raufzukraxeln und zu flicken. Also ist eine finale Lösung angesagt, welche gleich präventiv auch das neue Dach behinaltet. So haben wir also noch schnell 160 Quadratmeter Blechdach montiert, bevor der Schnee einsetzte. Damit war auch der an sich schöne Herbst rum, ohne dass ich ein Pferd von oben sah (außer vom Dach...)
Für die Jungpferdeausbildung mussten wir einen Roundpen bauen. Der Reitplatz war für eine Ausbildung nach Pat Parelli viel zu groß. Die Pferde hatten nach aussen keinen Halt. Unser Panel-System erschien mir ohne Bande zu gefährlich, vor allem wenn die Jungpferde oder Fohlen durch die Stäbe treten und hängen bleiben. Wir haben also die Seitenwände umlaufend mit einer 1 Meter hohen, schlagfesten Bande aus 28 mm Holzbohlen verkleidet, was sich später als zweckmäßig herausstellte. Wieder einige Tage Arbeit und den nicht ganz billigen Spezialsand (mit Spänen) von Pleinfelder Quarzsand. Als das vorbei war, stand das Regelwerk der European Tennessee Walking Horse Association an. Als Mitglied der 7-köpfigen Regelkommission war ich jede Woche zwei bis drei Mal oft bis Mitternacht in der Skype-Konferenz um das Regelwerk bis zur Mitgliederversammlung im Januar fertig zu haben. Dabei machten auch vor Weihnachtsfeiertagen keinen Halt!
Kurzum: 2009 war ein Zucht- und Arbeitsjahr, kein Jahr zum Reiten.
Informationstag Tennessee Walking Horses
Der Informationstag gibt Teilnehmern einen umfassenden Einblick in die Rasse der beliebtesten und
verbreitetsten Nordamerikanischen Gangpferde, den Tennessee Walking Horses.
Die robusten und durch ihren Gang so bequemen Arbeitspferde der Plantangenbesitzer in Tennessee waren wohl die vielseitigsten Gebrauchspferde ihrer Zeit. Sie trugen ihren Reiter bequem und sicher viele Meilen durch die endlosen Plantagen, zogen den Wagen und wurden auch als Arbeitspferde auf dem Feld und im Acker eingesetzt. Diese Vielseitigkeit ist auch dem einmaligen, menschenbezogenen Charakter dieser Pferde zuzuschreiben.
Mit dem Aufkommen von Traktoren und Motorfahrzeugen wurden diese wunderbaren Gebrauchspferde zunehmend entbehrlich. Sie wurden - vor allem wegen ihrer besonderen Gangarten - gerade in ihrem Ursprungsland für Shows und zur „Volksbelustigung” mißbraucht. Dabei wenden die Besitzer und Trainer immer widerlichere Trainingsmethoden an, um die Gangmechanik noch spektakulärer zu animieren.
Ein besonderes Unglück ist es, dass die Showpferde - um sie entsprechend manipulieren zu können - bewusst passig gezüchtet werden. Dieser Umstand macht heute Käufern und Besitzern von Pferden, die aus diesen Linien stammen, schwer zu schaffen! Sie verzweifeln oft daran, bei den Pferden den korrekten Gang (Flatwalk, Runningwalk, Canter) zu finden und zu erhalten. Viele Pferde aus der Showlinien-Zucht sind auch in Deutschland und Europa zu finden.
Der Informationstag ist daher in erster Linie gedacht, ein unvoreingenommenes Bild der Rasse, ihres Ursprungs, Gebäude, Gang, Charakter sowie die verschiedenen Einsatzgebiete und Zuchtlinien zu vermitteln. Gleichermaßen wird bei einer Rassevorführung das sportliche Potential von gut ausgebildeten Pferden gezeigt und die Teilnehmer erhalten die Möglichkeit, die Gänge der Pferde bei einem kurzen Schnupperritt unter Anleitung zu fühlen. Darüber hinaus erhält der Teilnehmer Informationen über die Tennessee Walking Horse Szene in USA, Europa und Deutschland.
Die Teilnehmer erfahren, welche Ansprüche Gangpferde an die reiterlichen Fähigkeiten stellen und wie das Gangvermögen erhalten werden oder verbessert werden kann. Ausserdem erläutern wir unsere Meinung : „Gangpferde sind nichts für absolute Anfänger!”
Nach dem Informationstag sind die Teilnehmer in der Lage, die wichtigsten Kriterien für ein gutes Freizeitpferd selbst zu erkennen, die Gangmechanik zu verstehen und Gangarten voneinander unterscheiden zu können. Sie sollen in der Lage sein, zumindest vom Boden aus die Gangveranlagung und die einzelnen Gangarten einschätzen zu können. Diese Kenntnisse und die entsprechenden Hintergrundinformationen sind für einen möglichen späteren Pferdekauf äußerst hilfreich.
Der Informationstag beginnt jeweils um 10:00 Uhr Vormittags und endet gegen 17:00 Uhr.
Teilnahmegebühr pro Person: 50,00 EUR incl. Kaffee und Kuchen.
Anmeldung erforderlich. Der Informationstag findet ab 5 gemeldeten Teilnehmern statt.